Veranstaltung zum Tag der Heimat 2015 in Wetzlar

Landtagsabgeordneter Irmer als Festredner

Wetzlar (ew). "Überall auf der Welt sind Vertreibungen ein Verstoß gegen die Menschenrechte." Mit dieser Feststellung und der Forderung, dass vor allem der jungen Generation mehr Wissen rund um Flucht und Vertreibung vermittelt werden müsse, eröffnete Manfred Hüber (Leun), Vorsitzender der Kreisverbandes Wetzlar des Bundes der Vertriebenen (BdV), den "Tag der Heimat" im Bürgerhaus des Wetzlarer Stadtteiles Büblingshausen. Es war am Sonntag der 65. Tag der Heimat, den der BdV-Kreisverband in Erinnerung an die Vertreibungen der Deutschen aus den Ostgebieten in den Jahren 1945, vor allem 1946 und auch noch 1947 veranstaltete.

Gut 150 Besucher, darunter Bezirksdekan Pfarrer Dr. Christof May, die Kreistagsvorsitzende Elisabeth Müller, der Kreisbeigeordnete Stephan Aurand und zahlreiche weitere Kommunalpolitiker aus Kreis, Städten und Gemeinden füllten die "Siedlerklause" und erlebten neben der Rede des Landtagsabgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden Hans-Jürgen Irmer auch zahlreiche musikalische Beiträge. Dargeboten von der Wetzlarer Singgemeinschaft Union-Chor 1877/Sängerchor Lahngruß 1908 unter der Leitung von Christa Löffler, der russlanddeutschen Gesangsgruppe "Stimme der Hoffnung" aus Wetzlar unter der Leitung von Erna Swerdonenko, die von Jonathan Harfst dirigierten Gruppe "Bellery" des Handglockenchores Hüttenberg und von den Wetzlarer Musiksenioren unter Edmund Beppler und dem Gesangsduo Rosi & Theo.

Pfarrer May sprach von dem "Stück Heimat auf dieser Erde" als einer Leihgabe Gottes, die mehr sei als Vertrautheit und Geborgenheit. Heimat sei vor allem auch der Ort, an dem man geboren wurde. Im Blick auf den aktuellen Zustrom von Flüchtlingen sieht May einen "schmalen Grat zwischen Gastfreundschaft und dem wieder Möglichmachen von Heimat dort, wo die Menschen herkommen". Elisabeth Müller appellierte an die christlich motivierte Grundeinstellung des Teilens, "die uns schon im Kindesalter am Beispiel des Heiligen St. Martin gelehrt wurde" und die nicht über Bord geworfen werden dürfe. Stephan Aurand erinnerte an die "großartige Aufbauleistung" der Heimatvertriebenen in Deutschland, in Hessen und in der heimatlichen Region. Damals wie heute sei die Integration eine "riesige Aufgabe", die nur über alle Parteigrenzen hinweg gemeinsam zu bewältigen sei.

Festredner Hans-Jürgen Irmer war sich mit dem BdV-Vorsitzenden Hüber einig, dass die staatlich befohlene Vertreibung von 13 Millionen Deutschen aus ihrer Heimat im Osten - die zwei Millionen das Leben gekostet hat - nicht direkt vergleichbar sei mit der aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland. Heute seien es vielerlei Motive, warum Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen ihre Heimat - auch aus rein wirtschaftlichen - verließen und vor allem Deutschland strebten. "Unser Herz ist weit, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt", zitierte Irmer Bundespräsident Gauck und erklärt sich mit diesem in der Notwendigkeit d'accord, über die Asylanträge der großen Zahl von Menschen vom Balkan schnell zu entscheiden und abgelehnte Antragsteller zügig zurückzuführen.

"Wir müssen differenzierter hinschauen und konsequenter abweisen - vor allem auch jene, die unserer Gesetze missachten -, damit jene, die ein Recht auf Asyl in Deutschland haben, dieses auch bekommen", so Irmer, der auf die Notwendigkeit einer gerechteren Lastenverteilung innerhalb Europas hinweist und fragt, was denn die 57 islamischen Länder endlich zu tun gedächten, um ihren Glaubensbrüdern, die Hilfe suchen, diese zu gewähren.

Der Bund der Vertriebenen steht laut Irmer seit seiner Gründung an der Seite aller Opfer von Vertreibungen und anderen Menschenrechtsverletzungen. Und er dürfe jetzt erleben, wie sich der Weg zur Versöhnung ebnet und Fronten aufweichen. Ein gutes Beispiel sei die Entschuldigung des Brünner Stadtrates für den Todesmarsch Vertriebener vom 30. Mai 1945. Der Gedenkmarsch zur Erinnerung an die Opfer ist laut Irmer ein beispielhaftes verständigungspolitisches Zeichen. 70 Jahre nach Kriegsende sei die Zeit reif, endlich unvoreingenommen aufeinander zuzugehen und miteinander zu reden, die historischen Wahrheiten und die Vertreibung als völkerrechtswidrig anzuerkennen und eine neue Gesprächskultur zwischen den Bewohnern der Heimatländer im Osten und den deutschen Heimatvertriebenen zu entwickeln.

Text und Foto: Franz Ewert
Im November 2015