Pressemitteilung

61. Preußische Tafelrunde

20. Oktober 2017 18:30 Uhr
Alleehotel EUROPA, Bensheim

Die Landsmannschaft der Ostseedeutschen lädt zu o.g. Termin zu ihrer traditionellen "Tafelrunde" ein.

Auch dieses mal wieder wird den Gästen neben einem guten Essen und guter Unterhaltung ein Stück deutscher Zeitgeschichte präsentiert:

"Ein deutsches Schicksal zwischen Ost und West ( 1950 - heute )"

Referent ist Dipl. Ing Wolfgang Lehmann, den die Besucher der Tafelrunden bereits kennen und sich sicherlich an sein sehr bewegendes Referat und Erlebnisbericht einer früheren Tafelrunde erinnern werden. Damals berichtete er über die Zeit 1945 - 1950. Die Zeit, die er als Jugendlicher in Haft und Deportation nach Sibirien erleben musste.

Jetzt folgt quasi die Fortsetzung seiner Lebenserinnerungen.

Am 3. Mai 1950 kehrte Wolfgang Lehmann nach fast fünf Jahren aus einem Zwangsarbeiterlager in Sibirien in seinen Geburtstort Großräschen in der Niederlausitz zurück. Er war 21 Jahre, hatte keinen Schulabschluß, keine Lehre und keinen Vater, der war seit Februar 1945 als Soldat vermisst und blieb es bis heute. Es war für ihn wie ein zweiter Lebensanfang. Gerade deshalb nahm er sich vor, die verlorenen fünf Jahre aufholen zu wollen (im Alter wurde ihm bewusst, dass es keine ‚Verlorenen Jahre‘ gibt). Dabei stand ihm immer wieder in fast unglaublicher Weise das Glück zur Seite.

Seine erste Beschäftigung in einem Bauunternehmen verdankte er seinem ehemaligen Jugendfreund, der damit zu seinem wichtigsten Lebenswegbereiter wurde. Nach vier(!) Monaten bestand er die Zimmerer-Gesellenprüfung. Ein wohlwollender Vorgesetzter ebnete ihm den Weg zum Fachschulstudium, woran sich ein Hochschulstudium anschloss. Inzwischen hatte er eine Familie mit drei Kindern. 1959 endlich fertig geworden wollte man ein gewöhnliches Leben in der DDR führen. Da versuchte die Stasi ihn zu erpressen, um ihn als IM zu gewinnen. Dem entzog sich die Familie 1960 durch die Flucht nach West-Berlin. Mehrere Hürden waren zu überwinden, bis sie den ersten festen Wohnsitz in Butzbach nehmen konnten, wo er beruflich tätig war und unter anderem für den Bau einer Kernreaktoranlage verantwortlich. 1962 veränderte er sich beruflich zu einem Unternehmen in Mannheim, bei dem er 23 Jahre bis zu dessen Auflösung arbeitete. Dabei war er beim Bau der Sportstätten für die Olympischen Spiele 1972 in München für die Dacheindeckung verantwortlich. Bedingt durch die familiäre Lage erwarb man 1965 ein Grundstück in Rimbach. 1968 konnte das eigene Haus bezogen werden. Am gesellschaftlichen Leben in der neuen Heimat nahm die Familie sofort eifrig Anteil. 1984 übernahm er als Geschäftsführer das ‚Institut für das Bauen mit Kunststoffen (IBK)‘. Seit 1989 arbeitet er freiberuflich als Beratender Bauingenieur, derzeit nur noch, im 43. Jahr, als berufener Sachverständiger beim Deutschen Institut für Bautechnik in Berlin. Um sein Schicksal und das seiner vielen Schicksalsgefährten nicht dem Vergessen anheim zu geben, ist er seit 18 Jahren als Zeitzeuge, insbesondere in Schulen tätig und schreibt darüber in Zeitschriften und Büchern. Viel beachtet wurde auch in diesem Jahre wieder ein Vortrag im Starkenburg Gymnasium in Heppenheim.

Die Veranstaltung am 20. Oktober ist für alle Interessenten frei zugänglich.

Anmeldungen an:
Reinhard Sablowski , Telefon 06252 - 71476 oder per email: r.sablowski@web.de